Einfach kann jeder


Was mir in Siem Reap verkauft wurde? Ein grosses modernes Boot mit 2 Etagen. Ich hatte die Wahl zwischen der ersten und zweiten Klasse. Die erste versprach ein klimatisiertes Abteil und einen Shop zum Kaufen von Snacks und Getränken. Ich entschied mich für die zweite Klasse und dem günstigeren Ticket. Mit dem Bus ging es am Morgen zum Hafen von Chong Kheas. Es stand ein kleines offenes Boot bereit. Nichts mit erster oder zweiter Klasse. Um die 30 Leute sassen da also in dem kleinen Boot wie die Hühner auf der Stange. Gesagt wurde mir auch, dass Ankunft zwischen 11 und 12 Uhr sei. Das coole war, dass die Strecke durch ganz viele Floating Villages führte und eigentlich bevorzuge ich sowieso die kleinen Boote als grosse Luxusschiffe. Es wurde 11, 12, 13 Uhr, dann mussten wir umsteigen. Nach einem kleinen Marsch standen zwei Pickups vor uns. Das Gepäck wurde aufs Dach und auf die Offene Heckklappe gestapelt, abgedeckt und festgebunden. Mir war sofort klar was jetzt noch auf uns zu kam. Manch anderen nicht. Wir waren 14 Leute auf der Ladefläche, im Führerhaus vorne nochmal auf 4 Plätzen 6 Leute ohne Fahrer gerechnet. Die Strassen bestehen aus Dreck und Staub. Die Sonne prasselte auf uns und es wurde 14, 15, 16 Uhr als wir endlich total eingestaubt in Battambang ankamen. Ein Horde TukTuk Fahrer stürzte sich auf uns. Mein Guesthouse hatte einen für mich geschickt und stand schon mit Namenstafel parat.

Mit Halsschmerzen aufgewacht ging es am nächsten Tag zur Tagestour mit dem TukTuk. Mein Fahrer war wirklich sehr nett und erzählte mir viel über sein Land, von der Kultur, Geschichte, über den Krieg und über das heutige Leben. Er zeigte mir die Stadt, die nicht viel zu bieten hat. Er brachte mich zur Bamboo-Train, die extra 5 Dollar kostete plus Trinkgeld für den Fahrer. Die Flying Foxes hängen genau an zwei Bäumen. Ich besuchte den Tempel Wat Banan, der nochmal 2 Dollar kostete, einen Aussichtspunkt, wo ich nochmal 4 Dollar loswurde und die Höhle am Abend wo Millionen von Fledermäusen bei Einbruch der Nacht herausströmen. Alles in allem war es ein netter, aber auch teurer Tag. Als Tourist zahlt man hier für alles extra. Verhandeln bringt hier gar nichts.

Erst am nächsten Morgen realisierte ich, dass das Guesthouse für mich das falsche Ticket gebucht hatten. Ich wollte über den Tag nach Sihanoukville fahren und nun hatten sie mir den Nachtbus gebucht. Meine reservierte Unterkunft musste ich stornieren und die eine Nacht trotzdem zahlen. Nun sass ich in Battambang für 12 Stunden auf der Strasse und wanderte von einem Café ins nächste. Wenigstens gibt es noch ein paar Touristen denen es genauso ging und mit denen ich mich unterhalten konnte.

Einfach kann jeder. Statt 22 Uhr würde ich 22:45 Uhr abgeholt. Aber irgendwas war anders als sonst. Es kam ein PKW vorgefahren statt einem TukTuk, wie bisher üblich. Ich sass alleine im Auto und er fuhr mich irgendwo hin. Ich glaube das war ein alter Busbahnhof. Dann meinte er ich solle aussteigen, war wahrscheinlich in der dunkelsten Ecke von Battambang, und auf den Bus warten. Ein paar Einheimische standen auch noch da. Aber wo sind denn all die anderen hin? Wo sind die Touristen die mitfahren? Warum bin ich hier die einzige? Und wo ist denn der Bus jetzt? Abfahrt wäre doch 22:30 gewesen!

Schließlich kam auch ein Bus und ich dachte ich bin im falschen Film. Warum passiert mir immer sowas? Von einem Abenteuer ins Nächste. Wieso hat mein Guesthouse, wo ich das Ticket buchte, mich in einen lokalen Bus gesetzt und nicht wie alle anderen auch in einen Touristenbus? Ich war wirklich die einzige Touristin im ganzen Bus, der schon fast voll war als er ankam. Im Bus gab es 3 Reihen mit Liegeplätzen, alles ziemlich eng gestaltet. Zum Glück bin ich nicht so gross. Ich habe gerade so in mein Bettchen reingepasst, von der Länge und Breite. Wir hielten noch zweimal an um weitere Leute abzuholen und schon war der Bus überfüllt und überladen sowieso. Sogar in den schmalen Gängen mussten noch Leute platznehmen. Sich zu Beschwerden kennen sie nicht. Scheint also alles normal so zu sein. Ich konnte die 6.5 Stunden nach Phnom Penh recht gut im Bus schlafen. Die AC hatte nicht so gut funktioniert, so dass wieder wie verrückt schwitzen angesagt war. Meine Erkältung war auf dem Höhepunkt, mir ging es gar nicht gut. In Phnom Penh wurde ich mit dem Roller paar Strassen weitergebracht, wo schon der nächste Schlafbus stand und schon ging die Reise weiter. Dieser war viel besser, mit AC, Steckdosen und statt den drei Betten in einer Reihe gab es nur zwei Betten, die dafür doppelt so breit waren. Ich war auch nicht mehr alleine. Ein Iraner, der in Frankfurt geboren wurde, mit 8 Jahren ausgeschafft wurde und mit 20 Jahren nach Malaysia ging, sass mit im Bus. Er arbeitet immer wieder mal in Malaysia, um bisschen Geld zu verdienen und reist dann weiter – Indonesien, Thailand, Kambodscha und Laos.

Nach Phnom Penh muss ich definitiv nicht nochmal zurück um mir die Stadt anzuschauen. Ich finde, hier sieht jede Stadt gleich aus. Die eine bisschen grösser oder kleiner, die andere ein bisschen sauberer oder dreckiger. Phnom Penh ist wahrscheinlich die dreckigste Stadt. Ich habe noch niergends so viel Plastikmüll gesehen. Gegen 13 Uhr kamen wir endlich in Sihanoukville an. Jetzt habe ich endlich Zeit und Ruhe meine schreckliche Erkältung zu lindern und bin endlich wieder am Meer.

#Kambodscha

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